14. Sächsische Jugendgeschichtstage

Geschichte zum Anfassen – ein Rückblick auf die 14. Sächsischen Jugendgeschichtstage

Am 22. und 23. November war es wieder soweit: zum 14. Mal trafen sich junge Spurensucher/innen aus ganz Sachsen zu den Jugendgeschichtstagen im Sächsischen Landtag, um ihre vielfältigen Geschichtsprojekte aus ihren Regionen zu präsentieren. Diese sind der Höhepunkt des „Spurensuche“-Jahres, in dem sich Jugendgruppen auf historische Forschungsreise begeben. Die Jugendgeschichtstage werden in Kooperation mit dem Sächsischen Landtag ausgerichtet und als 2-tägige Veranstaltung umgesetzt.

Wenn sich die jungen Menschen jährlich Ende November im Landtag treffen, liegen hinter ihnen 8 Monate, in denen sie sich in ihren Heimatregionen auf Spurensuche begeben haben. In diesem Jahr haben 23 Jugendgruppen aus allen Teilen Sachsens Geschichte aufgespürt, die so in keinem Geschichtsbuch zu lesen ist. Sie durchforsteten Dokumente, sprachen mit Zeitzeugen die ihnen Auskünfte gaben über eine Zeit, die sie selbst nicht miterlebt haben. Rund 250 junge Menschen haben in ihren Projekten ein Stück der Geschichte aufleben lassen und sich so für ihre Heimatregion engagiert.

Am ersten Tag wurden die Jugendlichen dazu eingeladen, Geschichtsunterricht mal anders zu erleben. Angeboten wurden sechs verschiedene Bildungsangebote in Form von Workshops und Exkursionen zu historischen Themen. Zum Umgang mit unangepassten Jugendlichen in der DDR und die Einweisung in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau sowie der eigenen ganz persönlichen Deutung des Wertes „Freiheit“ setzten sich in einem Workshop die Teilnehmenden mit der Referentin Manuela Rummel von der Gedenkstätte des Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau zusammen mit dem Schweizer Haus Püchau e.V. auseinander. Ein weiterer Workshop wurde vom Referenten Maximilian Heidrich vom Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gehalten und beleuchtete anhand von Fallbeispielen den Alltag Jugendlicher zwischen staatlichem Anpassungsdruck und selbstbestimmter Jugendkultur. Mit einem Lernkoffer mit Stasi-Dokumenten, Fotos und Originalgegenständen wurden verschiedene Themen besprochen. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. setzte sich mit den Referenten Jan Immer und Carsten Riedel mit „Frieden als Utopie“ auseinander. Außerdem standen eine „Actionboundtour“, eine Führung durch die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek sowie der Besuch der Ausstellung „Rassismus – Die Erfindung von Menschenrassen“ im Hygienemuseum auf dem Programm. Am Ende des ersten Tages waren alle Teilnehmenden erschöpft, dennoch umsichtiger und vor allem nachdenklicher als zu Beginn der Workshops. Am Abend sorgte dann das „Kurbeltheater“ mit „Hans Huckebein“ samt dem pädagogischen Zeigefinger für Entspannung und Unterhaltung auf dem Herbergsschiff „Pöppelmann“.

Mit der Eröffnung des Projektemarkts am Freitag durch den Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rössler und den Grußworten der Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch und der Geschäftsführerin der Sächsischen Jugendstiftung Andrea Büttner, wurde es bunt im Sächsischen Landtag. In dieser Zeit präsentierten die Projektgruppen ihre Ergebnisse, konnte ein Quiz gelöst und über den Publikumspreis abgestimmt werden.

Die Jugendlichen stellten die entdeckten Schätze ihrer monatelangen Arbeit vor. So erforschten sie z.B. die Historie von Gebäude sowie Plätzen in Glauchau und fragten nach der gegenwärtigen und zukünftigen Nutzung dieser Objekte, drehten einen Film über verschwundene Schulen in Hoyerswerda oder entwickelten eine Stadttour in Chemnitz auf den Spuren jüdischer Kultur und Widerstand im Nationalsozialismus. Dem Engagement waren dabei keine Grenzen gesetzt: Es wurden Zeitzeugen befragt, Heimatarchive akribisch durchforstetet, mit regionalen Vereinen kooperiert und die entdeckten Schätze mit der Kamera dokumentiert.

Viele der Forscher/innen waren mit großem Gepäck angereist. So brachte das Kinderland Sachsen aus Brand-Erbisdorf, die sich mit den Zusammenhängen zwischen Bergbau und Wasserkraft beschäftigten, ein Model des hölzernen Wasserrades mit, der Jugendladen aus Rochlitz stellte ein Nachbau des Betriebes der Hydraulik Rochlitz aus, der fast 2000 Menschen beschäftigte. Die Cateedrale e.V. aus Görlitz untersuchte den 1. Weltkrieg anhand von Einzelschicksalen und Feldpostbriefen. Die entstandene Ausstellung erinnerte an einen alten Hausflur aus der Jahrhundertwende, in den aufgehängten alten Briefkästen konnten globales Geschichtswissen sowie auch persönliche Briefe betrachtet werden. Auch aufwendig gestaltete Broschüren, Flyer und Plakate wurden als Ergebnisse von den Projektgruppen auf den Jugendgeschichtstagen ausgestellt.

In diesem Jahr setzten sich die Spurensucher/innen mit einem der wichtigsten Themen und einer der dringendsten Forderung unsrer Gesellschaft auseinander: FRIEDEN. Auf einem Vernetzungstreffen im Herbst stellten sich die Jugendlichen den Fragen: Welche Friedensbemühungen gab es damals? Welche braucht es heute? Wie kann ein friedliches Miteinander gelingen? Und was können wir selber tun? Zusammen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. wurde in einem Workshop die Fragen diskutiert und das Phänomen der Kindersoldaten in der Vergangenheit und Gegenwart besprochen. Daraus entstand die Teilnahme an der Aktion „Rote Hand“, ein weltweiter Protest gegen Kindersoldaten. Diese Rote-Hand-Abdrücke wurden auf den Jugendgeschichtstagen dem Landtagspräsidenten, mit der Forderung sich nach seinen Möglichkeiten gegen den Einsatz von Kindersoldaten einzusetzen, übergeben.

Am Abend wurde der Plenarsaal durch dem Musiker RANY und dem Poetry Slammer Lucas Böhme in Beschlag genommen, die uns grandios unterhielten und zum Nachdenken anregten. Jessy und Aaron vom Spurensucherteam des Jugendbeirats Glauchau führten uns souverän durch das Programm, und verliehen die Publikumspreise und Quizpreise. Den Publikumspreis erhielt die Jugendgruppe der CaTeeDrale e.V. aus Görlitz.

Über eine besondere Würdigung der Spurensuche-Jury, welche im März die Projekte zu einer Förderung auswählte und zu den 14. Jugendgeschichtstagen drei Projekte mit den Jugendgeschichtspreisen prämierte, konnten sich die Jugendgruppen des AGIUA e.V., der Oberschule Ottendorf-Okrilla sowie der JuCo soziale Arbeit gGmbH MORAST freuen.

Wir sagen allen Gewinnern herzlichen Glückwunsch und allen Jugendgruppen ein dickes Dankeschön für die fantastischen Tage!

Wir sehen uns hoffentlich alle bei den 15. Sächsischen Jugendgeschichtstagen am 21. und 22. November 2019 im Sächsischen Landtag wieder!

Wir bedanken uns bei unseren kooperativen und verlässlichen PartnerInnen für die Ermöglichung des vielfältigen Programms der Jugendgeschichtstage und bei den jungen Menschen für ihr Interesse, ihre Motivation und ihr Durchhaltevermögen.

„Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Die Jugendgeschichtstage sind die Plattform für den Austausch von Erfahrungen und der Präsentation von Ergebnissen der (lokal)historischen Forschung mit und durch junge Menschen. Jährlich im November werden die Jugendgeschichtstage in Kooperation mit und im Sächsischen Landtag durchgeführt und von vielen Geschichtsvereinen, interessierten Bürgern, Vertretern der Politik und vor allem von vielen Jugendgeschichtsprojekten genutzt.

Wir sind davon überzeugt, dass das Erforschen von Geschichte(n) Spaß und Leidenschaft erzeugen kann. Vom Kindertraum detektivischer Puzzlearbeit sind das Sichten uralter Dokumente und Fotografien, das Erfragen faszinierender Ereignisse und Geschichten und das Heben des historischen Schatzes als Momente der Erkenntnis nicht weit entfernt. Vergangenes bekommt Namen und Gesichter, wird greifbar und konkret. Lernen wird bereichert durch Handeln und Probieren - Lernstoff durch regionale Bezüge und Geschichten.

Die Kontaktstelle für Jugendgeschichtsarbeit verfolgt das Ziel, Initiativen, Institutionen und Organisationen, die im Bereich der historischen Forschung engagiert sind, zusammenzubringen, den Austausch zu befördern und Kooperationen anzuregen. Wir beraten und unterstützen Jugendinitiativen und Projektgruppen, die in ihrer Region ein Stück Geschichte zum Leben erwecken, historische Fakten und Spuren heben und sichern wollen.

Geschichtsprojekte als Form der schulischen und außerschulischen Bildung stellen ein wichtiges demokratisches und kulturelles Lernfeld dar. Junge Menschen, die sich in Projekten mit Heimat, Identität, historischen Veränderungsprozessen und Biografien befassen, erfahren interdisziplinäre Wissenszugänge und erwerben handlungsorientiert demokratische Kenntnisse und Fähigkeiten.

In den betreuten Geschichtsprojekten entstehen Arbeiten, die vielseitige Themen und Schwerpunkte verfolgen. Gemein ist allen, dass junge Menschen einen Beitrag zu ihrer regionalen und lokalen Erinnerungskultur leisten.