Junge Spurensucher*innen entdecken regionale Geschichte in Sachsen – ein Rückblick auf den 16. Jugendgeschichtstag, der zum ersten Mal digital stattfand

Aufgereihte Projektstände, ein vollbesetzter Plenarsaal sowie zahlreiche engagierte junge Menschen: dieses Bild zeigte sich bisher für Besucher*innen der jährlich im Sächsischen Landtag stattfindenden Jugendgeschichtstage. In diesem Jahr blieb der große Trubel leider aus. Der Sächsische Jugendgeschichtstag verlagerte sich aufgrund der Corona-Pandemie vom Parlament ins Internet.

Auch im Jahr 2020 beteiligten sich wieder insgesamt 27 Projektgruppen mit 260 junge Menschen aus allen Teilen Sachsens an „Spurensuche“. In diesem Jahr überschlugen sich allerdings, aufgrund der Corona-Pandemie, die aktuellen Ereignisse und die Spurensuche-Teams mussten die Umsetzung ihrer Geschichtsprojekte immer wieder an neue Situationen anpassen. Dies war nicht immer leicht und trotzdem sind sie, ob digital oder mit Abstand, auf Spurensuche gegangen. Die Jugendgeschichtstage als Höhepunkt des Programms, die jährlich im November im Sächsischen Landtag stattfinden, konnten in diesem Jahr leider auch nicht in gewohnter Weise stattfinden. Normalerweise wird es an zwei Tagen nach dem Buß- und Bettag sehr bunt und laut im Sächsischen Landtag. Denn in dieser Zeit öffnet der Landtag für die sächsischen Spurensucher*innen seine Pforten und die Jugendlichen dürfen in den Räumlichkeiten ihre Projektergebnisse ausstellen, in denen sonst tagtägliche politische Entscheidungen für Sachsen getroffen werden. Um die Arbeit der Jugendlichen in diesem herausfordernden Jahr trotzdem zu würdigen, wurde zum ersten Mal ein digitaler Jugendgeschichtstag durchgeführt.

Auf Instagram unter @ spurensuche.sachsen stellten zahlreiche Projekte ihre Arbeit vor. In einer Videobotschaft begrüßte Schirmherr Dr. Matthias Rößler, Präsident des Sächsischen Landtags die Teilnehmer*innen. Er dankte den Jugendlichen für ihr Engagement und erinnerte sie daran, dass Geschichte kein totes Gestern sei, sondern man immer mittendrin stünde. Anerkennung für die geleistete Arbeit der jungen Heimatforscher*innen gab es auch von der Sächsischen Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Petra Köpping. In einem Kulturbeitrag tanzten Charlotta und Zoé aus der Montessori-Schule in Chemnitz für alle Spurensucher*inne Charleston. Ein kleines Theaterstück mit Ausschnitten aus Liv Strömquists "Ursprung der Welt", von der Schauspielerin Sarah Bonitz und der Regisseurin Felicia Daniel wurde vor der Preisvergabe der Fachjury des Programms gezeigt, welche wieder traditionell drei Jugendgeschichtspreise in Form eines Pokals verlieh.

Das Spurensuche-Team des Janusz-Korczak-Haus der Diakonie Libera aus Görlitz erhielt für ihr Engagement und ihre Forschung über den Juden und Namensgeber ihres Hauses einen dieser Preise. Die Jugendgruppe recherchierte über sein Leben, seine pädagogischen Ideen und Ansätze sowie über jüdisches Leben in Görlitz. Sie fanden heraus, dass für Janusz Korczak Kinderrechte, Kinderparlament und Kindergericht nicht nur graue Theorie war, sondern in den Waisenhäusern, die er leitete auch praktisch gelebt wurde. 1942 ließ der Pädagoge, Schriftsteller und Erzieher nach der Räumung des Waisenhauses im Warschauer Ghetto durch die SS „seine“ 200 Kinder nicht im Stich. Er bestieg mit ihnen den Zug ins Vernichtungslager Treblinka. Die Recherchen und Ergebnisse hielten die Jugendlichen in einer Ausstellung fest.

Ebenso konnte sich die Geschichtswerkstatt des Alten Gasometer Zwickau e.V. über einen Preis freuen. Die Jugendlichen setzten sich zum Ausklang des Festzyklus „30 Jahre friedliche Revolution – 30 Jahre Deutsche Einheit“ mit der Geschichte des SED-Regimes und seiner Machtstrukturen auseinander. Dabei beschäftigte sich die Jugendgruppe mit dem Stasi-System in Zwickau, fuhren die Stasiobjekte und konspirativen Wohnungen in ihrer Stadt ab und dokumentierten sie anschließend. Wichtig war den Jugendlichen vor allem die Aufarbeitung des Themas sowie den Bürger*innen in Zwickau mit ihren Recherchen etwas zurück zu geben. So wird neben der physischen Dokumentation eine digitale Stadtkarte entstehen, die der Öffentlichkeit nachhaltig zugänglich gemacht werden soll.

Der dritte Preis ging an die Kinder- und Jugendbeteiligung in Colditz, die nach einer Stadtführung in ihrem im Ort ein altes Gemäuer entdeckten. Die abgelegene Lage und die zu gewucherten Treppen faszinierten und so begannen sie zu recherchieren. Nur wenige Colditzer*innen konnten auf Nachfragen eine Antwort geben und nach einem Besuch im Archiv fanden die Jugendlichen schließlich heraus, dass es sich um ein im Jahre 1930 fertiggestelltes Ehrenmal handelte. Sie entdeckten mehr über das Monument, setzten sich mit diesem und seiner Bedeutung auseinander und arbeiteten mit ortsansässigen Firmen zusammen, um es zu erhalten. Ihre Intension ist es einen Platz zu schaffen, welcher zum Rasten, Entspannen, Erholen aber auch zum Nachdenken einlädt.

Neben dem digitalen Jugendgeschichtstag konnte auch ein 45-minütiger Film über alle diesjährigen Geschichtsprojekte realisiert werden, der die vielfältige Arbeit der Spurensuche-Teams vorstellt und allen Interessierten nachhaltig zugänglich ist. Er hatte zum digitalen Jugendgeschichtstag Premiere und kann nun auf unserer Homepage angesehen werden.

Trotz der erfolgreichen Durchführung des digitalen Jugendgeschichtstages hoffen wir alle darauf, dass wir uns im nächsten Jahr, zu den 17. Jugendgeschichtstagen im Sächsischen Landtag wieder live begegnen können, um miteinander in den Austausch zu kommen und auf Spurensuche durch die Projektstände zu gehen.

Wir bedanken uns beim Sächsischen Landtag für die konstante und gute Zusammenarbeit in der Durchführung der Jugendgeschichtstage und beim Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt für die finanzielle Unterstützung des Programms.

Ein besonderer Dank gilt der Fachjury des Programms und zwar: Manuela Rummel (Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau), Felicitas Koch (Sächsische Jugendstiftung) Norbert Hanisch (Kinder- und Jugendring Sachsen), Sven Riesel (Stiftung Sächsischer Gedenkstätten), Dirk Müntzenberg (AgjF Sachen) sowie Francesca Bur und Felix Wenzel als Vertreter*innen der sächsischen Jugendlichen.

Ein ganz dickes Dankeschön an alle junge Menschen, die in diesem herausfordernden Jahr auf Spurensuche gegangen sind und Durchhaltevermögen gezeigt haben sowie allen Projektleiter*innen, die mit ihren Jugendlichen ihre Geschichtsprojekte auf so kreative Weise umgesetzt haben!

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