15. Sächsische Jugendgeschichtstage

Regionale Geschichte Sachsens mit den Augen Jugendlicher gesehen

Wie lebte es sich als Mädchen und Frau früher in unserem Ort? Wo und unter welchen Bedingungen haben unsere Großeltern gearbeitet? Was sind Stolpersteine? Wer waren die Menschen? Was ist ihr Schicksal und ihr Vermächtnis? Wie lebten die Sorben ihre Kultur im Verborgenen während der Zeit des Nationalsozialismus? Das sind nur einige der Fragen aus den zahlreichen Geschichtsprojekten, mit denen sich Jugendliche über acht Monate befasst haben.

Am 21. und 22. November 2019 finden zum 15. Mal die Sächsischen Jugendgeschichtstage im Sächsischen Landtag statt. Die Organisation erfolgt über das Programm „Spurensuche“ der Sächsischen Jugendstiftung in Kooperation mit dem Sächsischen Landtag unter der Schirmherrschaft des Landtagspräsidenten. Mit dem Jugendprogramm „Spurensuche“ wird das zivilgesellschaftliche Engagement junger Menschen in Sachsen unterstützt. Der thematische und inhaltliche Fokus liegt dabei auf dem Erforschen und Erkunden regionaler sowie lokaler, historischer Ereignisse im Rahmen von Jugendprojekten mit hauptsächlich außerschulischer Anbindung. Der Höhepunkt des Programms sind die jährlich ausgerichteten Sächsischen Jugendgeschichtstage.

Von der Erforschung der Mythen und Legenden des Erzgebirges, über die bewegenden Erfahrungen von Frauen früher bis zur Auseinandersetzung mit markanten Görlitzer Orten innerhalb der letzten 30 Jahre reicht die Palette der Geschichtsprojekte. Eine Jugendgruppe erforschte die Geschichte der Migration junger Menschen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dafür wurde auf Biografien von bekannten Chemnitzer Persönlichkeiten mit Migrationsgeschichte zurückgegriffen, aber auch auf Interviews von Migrant*innen, welche heute in Chemnitz leben. Jugendliche aus Rochlitz beschäftigen sich mit der Geschichte ihres Schlosses mit dem Ziel, ein Spiel zu entwickeln, mit dem eine Art Zeitreise durch alle Epochen des Schlosses erlebt wird. Dabei sollen die Aufgaben dazu anregen, Geschehnisse zu hinterfragen und mit der heutigen Lebenswelt in Verbindung zu setzen.  Eine weitere Gruppe Jugendlicher aus Zwickau haben sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte jüdischer Mitbürger des Landkreises zu erforschen unter besonderen Augenmerk auf die Deportation jüdischer Familien aus Zwickau nach 1938. Dabei sollen auch Parallelen zu heutigen Migrationserfahrungen in den Blick genommen und im aktuellen politischen Kontext betrachtet werden.

Der Kreativität der Spurensucher*innen war bei der Arbeit an ihren Projekten keine Grenze gesetzt: Es wurden Zeitzeugeninterviews geführt, Archive und Dokumente unter die Lupen genommen, mit regionalen Vereinen und Museen kooperiert, Exkursionen unternommen und die gemachten Entdeckungen sowie gefundenen Schätze mit der (Film)Kamera dokumentiert. Viele der Spurensucher*innen werden mit großem Gepäck anreisen, um ihre entstandenen Ausstellungen, Broschüren, Modelle oder sogar Filme auf den Jugendgeschichtstagen zu präsentieren.

Die Teilnehmer*innen erwartet spannende zwei Tage in den Räumen, wo sonst tagtägliche politische Entscheidungen getroffen werden. Neben dem Austausch von Erfahrungen und Erlebnissen stehen vielfältige Workshops und eine öffentliche Projektmesse, bei der sich alle 22 Jugendgruppen vorstellen, auf dem Programm. Im diesjährigen Spurensuche-Jahr setzten sich die jungen Spurensucher*innen mit dem Thema „Demokratie" und demokratischen Prozessen auseinander. Dazu haben Jugendliche in verschiedenen Veranstaltungen miteinander diskutiert. Auch auf den 15. Jugendgeschichtstagen werden wir uns zu diesem Thema austauschen.

Als Hausherr begrüßt Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler die Jugendlichen zur Projektemesse am 22. November 2019 persönlich im Landtag. Auch die Referatsleiterin für Kinder und Jugendliche des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz, Frau Schifferdecker, wird die jungen Spurensucher/innen willkommen heißen. Von 10.30-15.30 Uhr sind alle interessierten Menschen herzlich zur Projektmesse eingeladen, um sich selbst ein Bild von den erforschten Schätzen der Jugendgruppen zu machen. Der Eintritt ist frei.

Das Programm „Spurensuche“ wird durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz und im Rahmen des Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ gefördert.