Jugendliche erforsch(t)en Geschichte - Ein Rückblick auf den 17. Sächsischer Jugendgeschichtstag in der Dreikönigskirche

„Geschichte kann äußerst spannend sein, erst recht, wenn sie sich der Haustür abspielt!“ – Diesem Leitsatz von ‚Spurensuche‘ waren auch im Spurensuche-Jahr 2021 insgesamt 18 Jugendgruppen aus ganz Sachsen gefolgt und begaben sich in ihren Heimatorten bzw. -regionen auf Entdeckungstour. Dabei wurde geforscht und recherchiert, Informationen und Fakten zu verschiedensten Themen gesammelt, Einblicke in unterschiedliche historische Zeiten und Epochen gewonnen und neues Wissen erworben. Trotz der Besonderheit des Spurensuche-Jahres aufgrund der anhaltenden Pandemie bewiesen alle Spurensucher*innen Kreativität und Ausdauer ihr Projekt trotz der zahlreichen Herausforderungen bis zum Ende umzusetzen. Als Höhepunkt und Möglichkeit zur Ergebnispräsentation sollte das Spurensuche-Jahr 2021 eigentlich seinen gewohnten Abschluss mit den Sächsischen Jugendgeschichtstagen im Sächsischen Landtag im November 2021 finden. Doch auch hier machte die Corona-Pandemie einen Strich durch die Planung, so dass die Jugendgeschichtstage im November 2021 kurzfristig abgesagt werden mussten…

Am 13. Mai 2022 war es dann soweit - der 17. Sächsische Jugendgeschichtstag in der Dreikönigskirche in Dresden konnte endlich stattfinden. Wie der Sächsische Landtag besitzt auch dieser Veranstaltungsort eine nicht zu verachtende Relevanz in der sächsischen Geschichte – hier tagte der Sächsische Landtag in den ersten drei Jahren (1990-1993) seiner Tätigkeit. Endlich hatten die teilnehmenden Projektgruppen die Möglichkeit die Ergebnisse ihrer Spurensuche vorzustellen. Leider war die Teilnahme an diesem Tag aufgrund der langen Zeitspanne seit Ende des Spurensuche-Jahres 2021 sowie anderen Terminen nicht für alle Projektgruppen möglich. So fanden sich am 13. Mai 2022 schlussendlich 11 Projektgruppen in der Dreikönigskirche Dresden ein. Nachdem alle Spurensucheteams ihre Stände aufgebaut hatten, wurde die Veranstaltung mit Begrüßungsreden von von Frau Staatssekretärin Dagmar Neukirch (Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt), Frau Dr. Nora Goldenbogen (Landesverband Sachsen der Jüdischer Gemeinden) und Frau Andrea Büttner (Geschäftsführerin der Sächsischen Jugendstiftung) eröffnet. Vielen Dank an dieser Stelle an alle Rednerinnen. Die Tagesmoderation des 17. Sächsischen Jugendgeschichtstages übernahmen, inzwischen schon fast traditionell, wieder einige Jugendliche aus einem Spurensuche-Projekt. Dieses Jahr führten Alina, Kim und Michelle aus dem Projekt „Story of Falkenstein“ der Wilhelm-Adolph-von-Trützschler Oberschule der Stadt Falkenstein durch den Tag.

Im Anschluss an die Eröffnung begann der Projektmarkt. Hierbei zeigte sich eine Vielfalt an Themen -während die Projektgruppe der Mobilen Jugendarbeit MORAST der JuCo Soziale Arbeit gGmbH mit ihrem Projekt „Es ist doch bloß ein Schnupfen…“ eine Verbindung zwischen der unmittelbaren Gegenwart bis zur Spanischen Grippe und dem Jahr 1918 schlägt, damalige Verschwörungstheorien in den Blick nimmt und schaut, welche Parallelen eventuell zur aktuellen Pandemie bestehen, taucht die Jugendgruppe in ihrer „Story of Falkenstein“ noch tiefer in die Vergangenheit ein. Sie begaben sich auf Spurensuche quer durch die verschieden zeitlichen Epochen und Ereignissen ihrer Heimatstadt, fügten die wichtigsten historischen Details zusammen und erweckten historische Personen der Stadtgeschichte zum Leben. Das Ergebnis kann in einem besonderen Stadtrundgang durch Falkenstein bestaunt werden. Ein Perspektivwechsel wagten die jungen Spurensucher des Jugendclub Mölkau e.V. und starteten eine Entdeckungstour durch Mölkau. Wie verbrachten die Einwohner*innen des Stadtteils ihre Kindheit und Jugend in der DDR, also einem anderen politischen System? Was haben sie erlebt? Diesen und weiteren Fragen wurden dabei u. an in Zeitzeug*inneninterviews auf die Spur gegangen und parallel eine Verbindung zwischen verschiedenen Generationen geschaffen. Am Ende entstand eine Videoreportage. Eine andere Jugendgruppe des Jugendhauses Oederan wagte, ausgehend von der Geschichte ihres Jugendclubs, Ausflüge in die Geschichte und setzten sich mit dessen Entstehung und den zu dieser Zeit existierenden politischen und geschichtlichen Bedingungen auseinander. Insgesamt wurden zahlreiche neue Geschichten aus ganz Sachsen entdeckt und aufgearbeitet, die zeigen, wie vielfältig Geschichte sein kann.

Trotz des verspäteten Abschlusses des Spurensuche-Jahres verlieh die Jury des Programms, die die Projekte zu der Förderung Anfang des vergangenen Jahres auswählte, auch dieses Jahr wieder drei Jurypreise an Projektgruppen, die sie besonders beeindruckten. Ein Preis ging an den JUGENDladen Rochlitz (Muldentaler Jugendhäuser e.V.). Die Projektgruppe besuchte in ihrem längerfristig angelegten Projekt „Niemals vergessen – Jugend schafft Erinnerung“ verschiedene Gedenkorte, beschäftigte sich mit der Zeit des Nationalsozialismus sowie geschichtlichen Fakten und dokumentierten ihr Projekt in einem Film. Ein zweiter Jurypreis ging an die Spurensucher*innen der Projektgruppe des SLP Stadtteil Leipzig-Probstheida gGmbH Kinder- und Jugendfreizeitzentrum Probstheida mit ihrem Projekt „Vom Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie Leipzig Dösen zur Parkstätte Leipzig Dösen“. Dabei setzten sie sich mit der Geschichte der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Leipzig Dösen, der Geschichte und den Zukunftsplänen für diesen Ort sowie dem Wandel und der Entwicklung in dem Bereich Psychiatrie auseinander. Der letzte Jurypreis wurde an das Projekt „Entwurzelt“ des Kinder- und Jugendvereins Pleißental e.V. verliehen. Sie erforschten in ihrem Projekt die Geschichte der Burg Schönfels bei Zwickau in der Nachkriegszeit, als sie vertriebenen Familien als Unterkunft diente. Dafür führten sie neben Recherchearbeiten auch Zeitzeug*inneninterviews durch. Entstanden ist dabei ein eindrucksvoller Film. Weiterhin wurde wie jedes Jahr durch alle Gäste ein Publikumspreis verliehen – gewonnen hat diesen die Produktionsschule Moritzburg gGmbh mit dem Projekt „Tischlein deck dich – Tischsitten im Wandel der Zeit“. Eingebettet war die Preisverleihung am Nachmittag in ein kleines Abschlussprogramm mit Musik von RANY, der das Publikum traditionell aber immer wieder aufs Neue begeisterte.

Insgesamt war der 17. Sächsische Jugendgeschichtstag ein sehr gelungener Tag. Ein besonderer Dank geht dabei an alle Spurensuche-Projektgruppen des Spurensuche-Jahres 2021, die trotz der Herausforderungen und Hindernisse durch die Pandemie ihrer Projekte umsetzten und mit ihrer Ergebnispräsentation zum Gelingen des Tages beitrugen. Ein Dank geht außerdem an unsere Jury für ihr Engagement und ihre Zeit, an RANY und alle Helfer*innen an diesem Tag! Außerdem Danke an die Dreikönigskirche Dresden, dass der Jugendgeschichtstag an diesem Ort stattfinden konnte!

In diesem Sinne – nach dem 17. Sächsischen Jugendgeschichtstag ist vor den 18. Sächsischen Jugendgeschichtstagen. Diese finden am 27. & 28. Oktober 2022 im Sächsischen Landtag in Dresden statt. Wir freuen uns bereits jetzt auf alle Spurensuche-Projekte 2022 und hoffen, auch einige andere Gäste am 28.10.2022 zum Projektemarkt begrüßen zu dürfen!

Euer Team von Spurensuche

Junge Spurensucher*innen entdecken regionale Geschichte in Sachsen – ein Rückblick auf den 16. Jugendgeschichtstag, der zum ersten Mal digital stattfand