Junge Spurensucher*innen entdecken regionale Geschichte in Sachsen – ein Rückblick auf die 15. Sächsischen Jugendgeschichtstage

Am 21. und 22. November war es wieder soweit: zum 15. Mal trafen sich junge Spurensucher*innen aus ganz Sachsen, um zu den Jugendgeschichtstagen im Sächsischen Landtag ihre vielfältigen Geschichtsprojekte aus ihren Regionen zu präsentieren.

Die Sächsischen Jugendgeschichtstage sind der Höhepunkt des Jugendprogramms „Spurensuche“ der Sächsischen Jugendstiftung. In diesem Förderprogramm begeben sich Jugendgruppen auf historische Forschungsreise. Die Jugendgeschichtstage werden in Kooperation mit dem Sächsischen Landtag, unter der Schirmherrschaft des Landtagspräsidenten, ausgerichtet und als 2-tägige Veranstaltung umgesetzt.

Wenn sich die jungen Menschen jährlich Ende November im Landtag in Dresden treffen, liegt eine achtmonatige Arbeit hinter ihnen. Sie durchforsteten Dokumente, sprachen mit Zeitzeug*innen, die ihnen Auskünfte gaben über eine Zeit, die sie selbst nicht miterlebt haben. Ihre Ergebnisse haben sie mit ganz unterschiedlichen Methoden aufgearbeitet, in dem sie Modelle bauten, Spiele und Ausstellungen herstellten oder Filme und Stadtrundgänge erstellten. In diesem Jahr spürten insgesamt 20 Jugendgruppen aus allen Teilen Sachsens Geschichte auf, die so in keinen Geschichtsbüchern zu lesen sind. Rund 150 junge Menschen haben in ihren Projekten ein Stück der lokalen Geschichte aufleben lassen und sich so für ihre Heimatregion engagiert.

Am ersten Tag wurden die jugendlichen Teilnehmenden dazu eingeladen, Geschichtsunterricht einmal anders zu erleben. Angeboten wurden sechs verschiedene Bildungsangebote in Form von Workshops und Exkursionen zu historischen Themen.

Einen Workshop über eines der dunkelsten Kapitel der DDR-Zeit, dem Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau, hielt die Bildungsreferentin Manuela Rummel. In diesem begaben sie sich die Jugendlichen ebenso auf Spurensuche: Was waren Gründe für die Einweisung nach Torgau? Wie gestaltete sich der Alltag für die Jugendlichen in dieser DDR-Heimeinrichtung? Sie kamen mit einem Zeitzeugen ins Gespräch, der zweimal den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau durchlaufen musste und aus seinen persönlichen Erfahrungen berichtete. Ein weiterer Workshop wurde vom Politischen Jugendring Dresden zum Spurensuche-Jahresthema „Demokratie“ umgesetzt. Die Teilnehmenden bekamen aufgezeigt, welche Beteiligungsmöglichkeiten sich in Demokratien bieten und warum diese für die Politik so wichtig sind. Sie zogen Vergleiche zu Zeiten der DDR und konnten am Ende selbst eine kreative politische Kampagne entwerfen. Von Geocaching, einer besonderen Methode, um die Projektergebnisse der Öffentlichkeit vorzustellen, handelte der dritte Workshop im Landtag. Außerdem standen eine Führung durch die Sonderausstellung zum Attentat und Staatsstreichversuch am 20. Juli 1944 im Militärhistorischen Museum, der Besuch der Gedenkstätte Bautzner Straße sowie des Schulmuseums auf dem Programm. Am Ende des ersten Tages waren alle Teilnehmenden erschöpft, dennoch umsichtiger und vor allem nachdenklicher als zu Beginn der Workshops.

Mit der Eröffnung des Projektemarkts am Freitag durch die 1. Vizepräsidentin des Sächsischen Landtages Frau Dombois und den Grußworten der Referatsleiterin Kinder und Jugendliche, Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, Frau Schifferdecker und der Geschäftsführerin der Sächsischen Jugendstiftung Andrea Büttner, wurde es mit fast 300 Spurensucher*innen sowie jungen und alten Gästen bunt im Sächsischen Landtag. In dieser Zeit präsentierten die Projektgruppen ihre Ergebnisse, konnte ein Quiz gelöst und über den Publikumspreis abgestimmt werden.

Die Jugendlichen stellten die entdeckten Schätze ihrer monatelangen Arbeit vor. Dem Engagement waren dabei keine Grenzen gesetzt: Es wurden Zeitzeugen befragt, Heimatarchive akribisch durchforstetet, mit regionalen Vereinen kooperiert und die entdeckten Geschichten mit der Kamera dokumentiert. So erforschten die jungen Spurensucher*innen z.B. den Dachboden einer alten Schule in Oberullersdorf bei Zittau, auf welchem sie geheimnisvolle Fotos und verschiedene andere Funde machten. Diese führten wiederum zu einer Zeitzeugin, die selbst Schülerin der Schule war und zum Alltag sowie den Umständen vor 75 Jahren in ihrer Heimat berichtete. Eine Oberschule aus Falkenstein forschte in ihrer Geschichts-AG zu Alfred Roßner, ein stiller Held aus Falkenstein, der in dunklen Zeiten Jüd*innen half und seine guten Taten mit dem Leben bezahlte. Ihn wollten die Falkensteiner Jugendlichen durch ihre Spurensuche in Erinnerung behalten und ein Denkmal setzen. Eine weitere Jugendgruppe erforschte die Geschichte ihrer Kirche in einem Stadtteil in Dresden. Sie gelangten dabei auf die Spuren einer „Schwesterkirche“ in Decin, nahmen Kontakt mit Jugendlichen aus Decin auf und entdeckten gemeinsam ihre Region und das Bauwerk.

Viele der Forscher*innen waren mit großem Gepäck angereist. Das Jugendfreizeitzentrum aus Brand-Erbisdorf, die sich mit alten Sagen und Mythen aus ihrer Bergbauregion beschäftigten, brachten einen Stolleneingang sowie eine selbst angefertigte „Sagenpuppe“ mit. Der Jugendladen aus Rochlitz stellte verschiedene Nachbauten der Zimmer auf Schloss Rochlitz vor und entführte seine Gäste mittels Rätsel in alte Zeiten. Mit eindrücklichen selbst erarbeiteten Ausstellungen brachte der Migrationsverein AGIUA e.V. aus Chemnitz über Menschen und ihre Migrationsgeschichte sowie der Alte Gasometer aus Zwickau über das jüdische Leben in Zwickau zum Nachdenken. Auch aufwendig gestaltete Broschüren, Flyer und Plakate wurden als Ergebnisse von den Projektgruppen auf den Jugendgeschichtstagen ausgestellt. Im „Kinosaal“ des Sächsischen Landtages wurden sieben von den Jugendgruppen entwickelten Filme gezeigt.

Am Abend wurde der Plenarsaal durch den Musiker RANY und den Poetry Slammer David Klein in Beschlag genommen, die uns grandios unterhielten und zum Nachdenken anregten. Francesca und Nele, beide junge Spurensucherinnen, führten uns souverän durch das Programm und verliehen den Publikumspreis und die Quizpreise. Das Rennen um den Publikumspreis war knapp, letztendlich konnte das Spurensuche-Team mit dem Projekt „DDR-DAS WAR´S“ die meisten Gäste- und Teilnehmer*innenstimmen für sich gewinnen.

Für eine besondere Würdigung prämierte die Spurensuche-Jury, welche im März die Projekte bereits zu einer Förderung auswählte, drei Jugendgruppen mit den Jugendgeschichtspreisen.

Über diesen konnte sich unter anderem das Projekt des Kreisjugendring Erzgebirge e.V. mit dem „Lugauer Bahnhof – Gestern und heute“ freuen. Die „Lugauer Eisenbahnfreunde“ erstellten eine zeitgeschichtliche Dokumentation des Bahnhofs sowie ein Modell, welche in einer Dauerausstellung im alten Bahnwärterhäuschen in Lugau allen Bürger*innen gezeigt werden. Ein weiterer Preis ging an die Montessori-Schule in Chemnitz für ihre Recherche über die Jüdin Alice Glaser aus Chemnitz, die 1941 in das Ghetto Minsk deportiert wurde und nie zurückkehrte. Für sie möchten die Jugendlichen zum Andenken einen Stolperstein realisieren. Der dritte Jugendgeschichtspreis würdigte die Schüler*innen der Entdeckerschule in Chemnitz für ihre Arbeit über den steinernen Wald. Sie entwickelten einen sehr eindrücklichen Film, der auf den Jugendgeschichtstagen gezeigt wurde.

Wir sagen allen Gewinner*innen herzlichen Glückwunsch und allen Jugendgruppen ein dickes Dankeschön für die fantastischen Tage!

Wir sehen uns hoffentlich alle bei den 16. Sächsischen Jugendgeschichtstagen am 19. und 20. November 2020 im Sächsischen Landtag wieder!

Wir bedanken uns bei unseren kooperativen und verlässlichen Partner*innen für die Ermöglichung des vielfältigen Programms der Jugendgeschichtstage und bei den jungen Menschen für ihr Interesse, ihre Motivation und ihr Durchhaltevermögen.

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