Erstes Seminar im FSJ 2018/2019 in Colditz

Vom 17. bis 21. September fand, nachdem sich die meisten Freiwilligen des Jahrgangs 2018/2019 bereits beim ersten Bildungstag kennenlernen konnten, unsere erste Seminarwoche statt. Von Montag bis Freitag verbrachten wir, 24 Freiwillige, fast 5 Tage in der Jugendherberge Colditz, die im Schloss in Colditz liegt. Krankheitsbedingt konnte ein FSJler unserer FSJ-Politik-Gruppe, Mika, nicht da sein. Auch eine weitere FSJlerin, Lena, kam erst später hinzu und war deshalb bei dieser Fahrt noch nicht dabei. Begleitet wurden wir während dieses Seminars natürlich von Feli, unserer Programmleiterin des FSJ-Politik, und Janine, die auch bei der Sächsischen Jugendstiftung arbeitet.

Am Montagmorgen machte sich jeder Freiwilliger und jeder Freiwillige aus unterschiedlichen Orten Sachsens per Bahn oder Auto auf den Weg in die Herberge. Gegen Mittag fanden sich dann schließlich alle in Colditz ein. Zuerst konnten wir uns bei einem gemeinsamen Mittagessen stärken. Danach kam es zur Zimmerverteilung, die unkompliziert vonstattenging. Als dann die Zimmerkonstellationen klar waren, hatten wir die Möglichkeit, unser Gepäck in die gemeinsamen Zimmer zu bringen und uns dort kurz einzurichten. Danach ging das „richtige“ Programm für den ersten Tag los, in dem es hauptsächlich um die vor uns liegende Seminarwoche ging und den gegenseitigen Austausch. Wir verbrachten daher unsere Zeit damit, den Seminarplan durchzugehen und Kommunikations- und Verhaltensregeln für die Woche aufzustellen. Danach reflektierten wir unsere ersten zwei Wochen in den Einsatzstellen in künstlerisch-szenischer Weise. Der Kreativität waren bei dieser Aufgabe keine Grenzen gesetzt. Unsere Ergebnisse konnten wir nach dem Abendessen vorstellen und so etwas mehr über alle Anwesenden herausfinden. Die Abendgestaltung wurde uns freigestellt.

Am Dienstag, Tag zwei, begann nach einem stärkenden Frühstück der erste Tag des Peer-Trainings. Die TrainerInnen Eddy, Teida und Susanne betreuten uns über den Tag hinweg. Wie wir später herausfanden, war ein energiereiches Frühstück auch notwendig, da es das Peer-Training für viele von uns ziemlich „in sich“ hatte. Denn wir mussten uns in diesem Training nicht nur den anderen erneut und diesmal intensiver vorstellen, sondern uns auch mit uns selbst beschäftigen, was für viele nicht allzu leicht war. Das Training beinhaltete aber nicht nur das gegenseitige Auseinandersetzen und Vorstellen, zum Beispiel in Form von sogenannten „Identitätsmolekülen“, sondern auch den Diskurs über Werte wir Respekt oder Toleranz. Nachdem das Peer-Training für durchwachsene Reaktionen innerhalb der Gruppe gesorgt hatte, kam es nach dem Abendessen zur Auswertung des Tages vierer FSJlerInnen gemeinsam mit den TrainerInnen, Feli und Janine. Am Abend konnten wir wahlweise an einem Quiz teilnehmen.

Den Tag darauf, am Mittwoch, begann der zweite Teil des Peer-Trainings. Der Schwerpunkt lag diesmal beim Thema „Privilegien“. Was wir am ersten Tag begonnen hatten, wurde beim zweiten Teil des Trainings intensiviert. Wieder erstellten wir unsere Identitätsmoleküle und diskutierten diesmal unter anderem über Begriffe und Definitionen in Gruppenarbeiten. Wie schon beim ersten Tag stellten uns die Peer-TrainerInnen neue Methoden vor, zum Beispiel das „Eisbergmodell“, und ein Gedankenexperiment. Zum Schluss konnten wir die Erwartungen, die wir am Beginn des Tages zuvor in Gruppen aufgestellt hatten, reflektieren und überlegen, was wir aus dem Training mitnehmen würden. Nach zwei intensiven Tagen des Peer-Trainings wurde der Abend wieder mit freier Abendgestaltung und einer freiwilligen Option zum Zeitvertreib abgeschlossen. Auch hatten wir die Möglichkeit, die Dokumentation „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“ zu schauen, in dem es, zu unserem FSJ passend, um weltweite Möglichkeiten von Engagement ging.

Am vierten Tag unserer Seminarwoche konnten wir uns neben geistiger Anstrengung tatsächlich auch ein wenig körperlich beschäftigen – nach dem ersten Part unserer von früh bis Mittag stattfindenden „Aktionswerkstatt“, in der es darum ging, zu von uns selbst gewählten Themenbereichen zu brainstormen und Probleme zu thematisieren, Utopien zu erstellen und Lösungsansätze zu schaffen, fuhren wir alle zusammen mit dem Bus nach Rochlitz. Von dort aus teilten wir uns in kleinere Gruppen und fuhren mit Schlauchbooten wieder zurück nach Colditz. Was sich nach einer leichten Anstrengung anhört, war tatsächlich nach mehreren Stunden auf dem Wasser kräftezehrender als gedacht – aber durch das Singen von Liedern, gegenseitiges Nassmachen und das provisorische Steuern und Vorantreiben der Boote war es dennoch sehr lustig (auch wenn das Nassspritzen nicht für alle so spaßig war!). Nach dieser abenteuerlustigen Bootsfahrt hatten wir uns unser Abendbrot redlich verdient und vertrieben uns den Abend, auch wieder wahlweise, mit dem Open Space. Dieser gab uns unter anderem die Möglichkeit, Buttons herzustellen, uns über Moderationstechniken und Schreibtechniken für Flipcharts zu informieren sowie selbst gewählten Input mit der Gruppe zu teilen.

Am letzten Tag, dem Freitag, hatten wir vor unserer Heimfahrt noch einiges auf dem Plan. Unsere am Donnerstag begonnene Aktionswerkstatt vollendeten wir, indem wir unsere in den Gruppen erarbeiteten Lösungen zu Problemen unterschiedlicher Themenfelder präsentierten. Danach stimmten wir für einen Themenbereich ab, in dem wir in unserem FSJ-Politik etwas verändern und eine gemeinsame Aktion starten wollen. Der Bereich „Stadt-Land-Differenz“ bekam dabei die meisten Stimmen. Zum Schluss besprachen wir noch die kommenden Seminare und Bildungstage und wählten unsere zwei FSJ-GruppensprecherInnen. Unserem Voting nach erhielten Nick und Gloria die meisten Stimmen. Bevor wir wieder nach Hause fuhren, kam es noch zu einem Feedback in Form von Flipcharts, die wir durch schriftliche Kritik ergänzen konnten. Dann ging es aber wirklich nach Hause – und wie am Anfang gingen am 21. September dann alle wieder getrennte Wege, zumindest bis zum nächsten Bildungstag.

Über die Seminarwoche hinweg nahmen wir viele Erfahrungen mit. Diese beinhalteten, neue Kontakte geknüpft oder sogar schon Freundschaften geschlossen zu haben, Denkanstöße zu uns selbst und politischen Themen erhalten zu haben und unser Können im Schlauchbootfahren erprobt zu haben. Obwohl diese Woche uns auch einiges abverlangte, war sie doch sehr lehrreich und nie langweilig. Im Namen aller Freiwilligen glaube ich sagen zu können, dass wir auf unsere nächste Seminarfahrt schon sehr gespannt sind!

 

Gloria