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Weiterentwicklung der Kinder – und Jugendarbeit in Sachsen in der Legislatur 2019 – 2024

Das Forum Jugendarbeit Sachsen ist ein freiwilliger Zusammenschluss von überörtlich tätigen anerkannten freien Trägern der Jugendhilfe. Die Träger sind tätig in den Bereichen Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, Jugendsozialarbeit sowie Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen.

Wir bringen uns verantwortungsbewusst im Interesse von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den beständigen gesellschaftlichen und fachlichen Diskurs über die Fort- und Weiterentwicklung eines modernen Verständnisses von Jugendpolitik, Jugendhilfepolitik (insbesondere der Jugendarbeit) sowie der Jugendschutzpolitik ein.

Aus diesem Selbstverständnis heraus, haben wir uns mit folgenden Forderungen zur Weiterentwicklung der Kinder – und Jugendarbeit in Sachsen an die Parteien, die sich gerade in Sondierungsgesprächen befinden gewendet, mit der Bitte, diese verantwortungsvoll in die Sondierungs – und eventuelle Koalitionsgespräche mit zu nehmen und zu beachten.

Die Akteure des Forum Jugendarbeit sehen gesellschaftliche Veränderungen und neue Entwicklungen, die sich auch auf die Jugendarbeit auswirken werden. Deshalb ist es unser Ziel eine Jugendarbeit zu gestalten, die sich an den Bedürfnissen und Wünschen der jungen Menschen in Sachsen ausrichtet, die innovativ, lebendig und damit zukunftsfähig ist. Dafür braucht es ein gemeinsames Vorgehen von uns als freien Trägern, von Politik und Verwaltung.Für diesen gemeinsamen Dialog und darauf folgend den gemeinsamen Weg stehen wir als Sächsische Jugendstiftung sowie alle Mitglieder des Forum Jugendarbeit zur Verfügung.

 

(1) Tatsächliche Umsetzung einer nachhaltigen Eigenständigen Jugendpolitik

  • unter Beachtung der entsprechenden Beschlüsse des Landesjugendhilfeausschusses (z. B. Eckpunktepapier des LJHA zur Eigenständigen Jugendpolitik in Sachsen[1])
  • durch Herstellung von Transparenz zu den bisherigen Arbeitsergebnissen der IMAG Eigenständige Jugendpolitik
  • unter Einbeziehung Freier Träger im Sinne der Ansprechpartner*innenrunde der IMAG für kulturelle Kinder- und Jugendbildung
  • durch die Entwicklung einer weitreichenden und gemeinsamen Strategie der relevanten Politikfelder sowie der Verzahnung der Aufgaben der Jugendhilfe mit denen anderer ministerieller Ressorts

(2) Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen nach SGB VIII und LJHG

  • Besetzung der Jugendhilfeausschüsse streng nach den Normierungen
    des § 71 SGB VIII und § 4 LJHG
  • tatsächliche Umsetzung der Bestimmungen des § 4 SGB VIII (Partnerschaftliche Zusammenarbeit, Vorrang Freier Träger, Achtung der Selbständigkeit Freier Träger)
  • Beteiligung Freier Träger an der Jugendhilfeplanung nach Abs. 3 § 80 SGB VIII
  • Ermittlung von Bedarfen junger Menschen durch die Jugendhilfeplanung ohne die vorherige Begrenzung durch haushalterische Vorgaben mit der darauf folgenden Forderung nach einer auskömmlichen finanziellen Deckung der Bedarfsermittlung

(3) Bekenntnis zur Jugendarbeit in ihrer Vielfalt an Themen und Strukturen

  • Stärkung der Jugendarbeit als unverzichtbare Sozialisationsinstanz junger Menschen
  • die Vielfalt jugendlicher Lebenswelten, Lebenslagen und Interessen muss sich in der Angebotspalette einer pluralen, leistungsfähigen und belastbaren Trägerstruktur wiederspiegeln
  • Entwicklung von Strategien und Rahmenbedingungen, die ein gemeinsames Agieren in der Lebenswelt Junger Menschen ohne Zuständigkeitsgerangel und Leistungsartbeschränkungen ermöglicht und so Jugendarbeit als kompetenten Partner für andere gesellschaftliche Bereiche wie z.B. Schule stärkt

(4) Weiterentwicklung des Förderinstruments Jugendpauschale

  • durch bedarfsgerechte Anpassung der Höhe der Jugendpauschale, mindestens jedoch deren Anhebung auf den Stand aus dem Jahr 2009
  • durch fachliche Steuerung auf der Grundlage von Fachstandards/ Orientierungshilfen/ Fachempfehlungen oder anderen grundlegenden Beschlüssen des Landesjugendhilfeausschusses
  • beteiligungsorientierte Erarbeitung eines modernen, bedarfs- und planungsorientierten Verfahrens der Ausreichung der Jugendpauschale an die Gebietskörperschaften

(5) Bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Förderung im überörtlichen Bereich

  • mehrjährige und auskömmliche Förderung wenigstens entlang der Geltungsdauer der Jugendhilfeplanung
  • Beendigung der Schlechterstellung Freier Träger durch tarifgerechte Eingruppierung im Sinne des Abs. 5 § 74 SGB VIII

(6) Stärkung der Jugendarbeit im Ländlichen Raum

  • Vorhalten einer vielfältigen und flächendeckenden Demokratie-, Bildungs- und (Jugend)Kulturlandschaft, um über die dadurch gegebenen Wahlmöglichkeiten tatsächlich zur Stärkung der Persönlichkeiten und der Ressourcen von Kindern, Jugendlichen und Familien beitragen zu können
  • Beenden des Einzelkämpfer*innentums der Fachkräfte im ländlichen Raum zugunsten tragfähiger Teamstrukturen als Qualitätskriterium
  • Freigabe von räumlichen, materiellen und finanziellen Ressourcen der Gemeinden für Jugendarbeit und selbstverwaltete Jugendgruppen und -initiativen
  • flächendeckende fachliche Begleitung selbstverwalteter Jugendgruppen und -initiativen (bspw. Selbstverwalteter Jugendclubs)

Neben diesen wesentlichen jugendpolitischen Forderungen für die kommende Legislatur des Sächsischen Landtags gibt es sowohl vom Forum Jugendarbeit als auch von seinen Mitgliedern zahlreiche Positionierungen zu einzelnen Themen und Sachverhalten. Diese ergänzen, die aus unserer Sicht dringend notwendigen Entwicklungen, in unserem Arbeitsbereich.

Wir erwarten von den künftig Verantwortlichen in Politik und Verwaltung ernsthafte Bemühungen, um die “gesellschaftlich beachtliche sozialintegrative Funktion […] und Wirkung”[2] für alle Kinder und Jugendlichen zur Geltung kommen zu lassen. Wir bieten hierfür ausdrücklich unsere Mitarbeit an und sind zu diesbezüglichen Gesprächen bereit.

 

Forum Jugendarbeit, im September 2019

[1] https://www.landesjugendamt.sachsen.de/download/Verwaltung/lja_Eckpunktepapier_Eigenstaendige_Jugendpolitik.pdf

[2] “Situation der Jugendarbeit gemäß § 11 SGB VIII im Freistaat Sachsen – eine Bestandsaufnahme”. verabschiedet vom Landesjugendhilfeausschuss am 4. Dezember 2018, S. 5

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