Viertes Seminar im FSJ 2018/2019 in Ostritz - Von konservativer Umweltpolitik bis zu wachstumskritischen Wirtschaftstheorien


In der zweiten Juliwoche fand die vierte und letzte Seminarwoche des diesjährigen FSJ Politik-Jahrgangs statt. Diesmal ging es in den Osten Sachsens, in das Kloster St. Marienthal in Ostritz an der polnisch-deutschen Grenze. Entsprechend der idyllischen Umgebung mit Neiße und viel Natur war das Thema der Seminarfahrt „Klima und Nachhaltigkeit“. Außerdem hieß es auch schon langsam Abschied nehmen, da sich das FSJ dem Ende neigt.

Am Montag, den 08.07. ging es los. Die gemeinsame Anreise mit dem Zug führte uns über Dresden, Bischofswerda und Görlitz zu einem Bahnhof mit dem klangvollen Namen Krzewina Zgorzelecka. Der Ostritzer Bahnhof liegt nämlich auf polnischer Seite, weshalb er auch den Namen des polnischen Nach­bar­dorfes trägt. Von dort ging es dann mit dem Bus weiter bis zum Kloster. Dort angekommen, gab es erst­mal Mittagessen, ehe es mit dem Seminar richtig losging. Dabei konnten wir uns als Gruppe und un­sere Unterkunft wahrnehmen. Für viele war es ungewöhnlich eine Woche in den Räumen eines Klos­ters zu leben, sodass das auch gleich für Gespräche gesorgt hat.

Nach dem Mittagessen ging es dann los. Um in das Thema einzusteigen, hatte das Orgateam einen Fra­gebogen mitgebracht, mit dem jede*r ihren oder seinen ökologischen Fußabdruck ermitteln konnte. Bei einigen sorgte das für Überraschungen, meistens, weil der Fußabdruck unerwartet groß war. Um aber noch tiefer in die Materie einsteigen zu können, haben wir uns in Gruppen mit verschiedenen Themen intensiver beschäftigt, z.B. Erneuerbare Energien, das Pariser Klimaabkommen und Fridays For Future. Gleich am Abend konnten wir dann unsere Fragen an die Politik loswerden, denn Matthias Reuter, Direktkandidat für die CDU in Ostritz bei der Landtagswahl, ist zu unserer Runde dazu gestoßen. Später am Abend konnten wir die laue Luft noch ein wenig an der Feuerschale genießen.

Am Dienstag ging es dann mit einem Blick auf die Landtagswahl unter dem Stichpunkt Klima und Nachhaltigkeit weiter. Welche Parteien welche Positionen beziehen, war die Frage. Danach gab es noch eine Klosterführung. Dabei konnten wir einiges über den Ort, an dem wir unser Seminar verbrachten, lernen. Z.B., dass die Nonnen, die in dem Kloster leben, sich demokratisch eine Äbtissin wählen, die dann aber weitgehend allein über viele wichtig Sachen zu entscheiden hat. Oder dass die Form, wie die Nonnen zusammen leben, Parallelen zum Kommunismus aufweist: Sie verpflichten sich keinen persönlichen Besitz zu haben, sodass alle Besitztümer, Geschenke, Einkommen etc. in dem Besitz des Klosters aufgehen. Nach dem Mittagessen begann ein sehr spannender Teil des Seminars: Ein Workshop vom „Konzeptwerk Neue Ökonomie“ (KNÖ), ein Leipziger Verein, der sich damit auseinandersetzt, ob man nicht auch ohne Wirtschaftswachstum wirtschaften kann. Im Workshop hatten sie auch immer wieder spannende Methoden eingebaut, die spielerisch an das Thema heran­ge­führt haben. Am Nachmittag gab es dann noch eine Einführung in die Themen Wirtschaftswachstum, CO2-Emissionen und andere wichtige Theorien aus dem Bereich Postwachstum. Den Abend ließen wir mit einem der fast schon traditionellen Quiz ausklingen.

Mittwochvormittag wurde der Workshop vom KNÖ unterbrochen, da wir wieder ein Gespräch mit einem CDU-Politiker hatten. Diesmal mit Sebastian Fischer, der bereits Mitglied des Sächsischen Landtags ist (und sich auch wieder bewirbt) und mit dem viele deutlich mehr inhaltliche Differenzen hatten. Bereits vorher hatten wir überlegt, wie wir das zweite Gespräch interaktiver gestalten könnten, sodass wir stärker unsere eigene Meinung deutlich machen können und es kein reines Frage-Antwort-Spiel bleibt. Ich würde sagen, das ist uns auch gelungen. Es war sehr spannend, mit Herrn Fischer zu diskutieren, da wir uns innerhalb der Seminargruppe oft in vielen Punkten einig sind und wir somit einmal aus der sogenannten Fliterblase rausgekommen sind. Nach dem Gespräch ging es mit dem Workshop weiter, wobei wir uns mit verschiedenen sozialen Bewegungen beschäftigt haben. Außerdem ging es darum, wie man zufrieden oder glücklich sein kann ohne zu konsumieren. Welche anderen Zufriedenheitsquellen gibt es? Dazu gab es auch noch einige Übungen. Abends gab es die Möglichkeit, einen Film über die (Billig-)Produktion von Kleidung zu schauen.

Der Donnerstag begann mit zwei Workshopmöglichkeiten: Erstens zu Ernährung, Tierhaltung und Klima und zweitens zu Minimalismus. Das Mittagessen haben wir an diesem Tag selbst gemacht. Es gab Wraps mit diversen Gemüsefüllungen und selbstgemachtem Hummus. Außerdem einen leckeren Erdbeer-Crumble zum Nachtisch. Nach dem Mittagessen ging es schon mit einer erlebnispädagogischen Freiwilligenjahr­auswertung weiter. Dabei gab es drei Stationen: Einmal den Rückblick auf Vergangenes, was wir mit Landart umsetzten. Außerdem der Ausblick auf unsere Ziele, dabei lernten wir ein wenig Bogenschießen. Und noch eine Selbstreflexion, bei der wir unsere Rolle im Team ausgewertet haben. Um das Ende noch richtig zu feiern, gab es eine „Dänce-Party“ am letzten Abend.

Am Freitagvormittag ging es noch ein wenig weiter mit der Auswertung des FSJs. Dabei konnten wir uns untereinander noch ein wenig austauschen. Mittags ging es dann schon wieder nach Hause. Schnief. Do widzenia, Krzewina Zgorzelecka!

Rückblickend auf das gesamte Seminar kann ich sagen, dass ich viele neue spannende Gedanken in meinem Kopf habe. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, und war, wie jedes Mal, auch eine echt intensive Zeit. Was ich besonders spannend fand, war die Idee, bewusst keine Politiker*innen von linken/progressiven Parteien einzuladen. Die Idee dahinter war, dass wir uns mit denen wahrscheinlich sowieso ziemlich einig wären. Deshalb wollte das Orgateam noch ein bisschen Kontroverse schaffen, sodass wir zwei Gespräche mit zwei CDU-Politikern hatten und wir hatten die Möglichkeit, über den Tellerrand zu blicken. So kommt es also auch zu der Überschrift dieses Artikels: Von konservativer Umweltpolitik zu wachstumskritischen Wirtschaftstheorien. Schade ist, dass es schon das letzte Seminar war, und auch, dass sich das FSJ schon dem Ende neigt. Aber man sieht sich immer zwei Mal im Leben – nicht wahr?

Carl