Spurensuche in Transsylvanien – Jugendliche auf der Suche nach Geschichten der Siebenbürger Sachsen

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte in Europa birgt eine Menge Erfahrungsmöglichkeiten in sich. Unsere Spurensuche hat deutlich gemacht, dass in Siebenbürgen/Transsylvanien Ungarn, Siebenbürger Sachsen, Székler, Rumänen, Zigeuner, Türken und Tataren miteinander lebten – aber auch gegeneinander kämpften. Spuren der verschiedenen Kulturen sind allgegenwärtig und wurden von uns besichtigt. Die Vielfalt der europäischen Geschichte und die Vielfalt der Europäer hat uns erstaunt und bewegt.

Jugendliche aus Deutschland und Rumänien begaben sich auf gemeinsame Spurensuche, nach Wurzeln und Zeitzeugen einer 800-jährigen Kulturgeschichte, die in den letzten 20 Jahren verloren ging. Vor tausend Jahren luden ungarische Fürsten Siedler aus dem heutigen Benelux-Raum ein, Transsylvanien zu besiedeln, zu entwickeln und auch gegen feindliche Invasionen zu verteidigen.

Die sich daraus entwickelnde Kultur der Siebenbürger Sachsen hat Siebenbürgen maßgeblich geprägt. Über die Jahrhunderte trotzten sie Tataren, türkischen Überfällen und überstanden dramatische Ereignisse im Zuge des zweiten Weltkrieges. Die kommunistische Herrschaft des Diktators Nicolae Ceausescu jedoch bewegte sie dazu, das Land zu Tausenden zu verlassen.

Junge Leute in Deutschland wissen davon kaum etwas und auch rumänischen Jugendlichen ist die Geschichte teilweise schon fremd, obwohl man auf Schritt und Tritt in Siebenbürgen den Spuren dieser Geschichte begegnet.

Die Teilnehmer unserer Jugendbegegnungsmaßnahme kamen in besonderer Weise mit Zeitzeugen ins Gespräch, besuchten wichtige und besondere Orte dieser Geschichte und setzten sich mit der Siedlungsgeschichte, den Lebenserfahrungen, den Traditionen, der Religiösität, dem multikulturellen Zusammenleben in den Dörfern und Städten sowie mit der aktuellen Situation der Siebenbürger Sachsen auseinander.

Unsere Herberge befand sich in Biertan/Birthälm. Von dort wurden Tagestouren in die umliegenden Dörfer, in den rein ungarisch sprachigen Bezirk Harghita und nach Sighisoara durchgeführt. Bei einer 2-tägigen Tour nach Viscri, Bran und Brasov übernachtete die Gruppe in einer Herberge in der Nähe von Bran.

Insgesamt nahmen an 8 Programmtagen (ohne An- und Abreise) 15 TeilnehmerInnen aus Deutschland und 10 aus Rumänien an der Spurensuche durch Siebenbürgen teil. Bei der Spurensuche wurden sowohl Zeitzeugen aufgesucht und zu ihrer persönlichen Geschichte befragt, als auch Bauwerke erkundet.

Die mehrjährige Partnerschaft mit der rumänischen Organisation Fehérlófia ermöglichte es, vorbereitende Planungsschritte mit Hilfe vorhandener Strukturen zu beschreiten und erleichterte in hohem Maße die Planung des Projektes.  So konnten Programminhalte direkt vor Ort organisiert werden.

Zeitzeugen konnten im Vorfeld ausfindig gemacht werden, relevante Orte diskutiert werden (Welche Kirchenburg wird besucht? Wo wird besonders eindrücklich die Geschichte Siebenbürgens beschrieben? Welche Wege und Distanzen sind für Wanderungen angemessen? etc.)

Die TeilnehmerInnen wurden vielfältig und kontinuierlich in die einzelnen Planungsphasen involviert. Wie oben beschrieben, wurden in der Vorbereitungsphase Planungsrunden durchgeführt, wo zum einen über inhaltliche Programmbausteine diskutiert wurde, als auch logistische Dinge besprochen wurden. Kompetenzen, Ideen und Wissen der einzelnen TeilnehmerInnen wurden in der Planungsphase berücksichtigt. Auch in der Phase der Projektumsetzung wurden durch Morgen- bzw. Auswertungsrunden am Abend aktuelle inhaltliche und persönliche Stände beredet, so konnten weitere konkrete Planungsschritte vorgenommen werden und auf aktuelle B edürfnisse reagiert werden.

Im Zuge der Auswertung, die unter der gemeinsamen Gruppe aus Deutschland und Rumänien vorgenommen  wurde, ist ein Projekt für das Folgejahr 2012 begrüßt worden. So  plant die Sächsische Jugendstiftung auch in diesem Sommer ein Bildungscamp in Rumänien, wo Themen zur Geschichte Siebenbürgens und der Interkulturalität weiter verfolgt werden können.