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„MEPP – Mepping Europea Past and Present“ Erasmus+ Austausch

„it’s time for a new adventure“ dachten sich neun aufgeschlossene und junge Menschen aus Sachsen. Allen voran war der wohl coolste und entspannteste Reiseleiter ( aka Reisedad ) der Welt – Martin. Ziel unserer 8-tägigen Reise war Larisa in Griechenland. Unserer Reise fand unter dem Titel „MEPP – Mepping Europea Past and Present“ als Erasmus+ Austausch statt, bei dem wir uns tiefgründig und umfassend mit dem Thema der Migration seit 1945 beschäftigt haben. Doch die Reise startete nicht für alle Teilnehmenden gleichzeitig. Vier abenteuerlustige Mädels, wollten die Chance nutzen und mit Zügen, Bussen und Autokorsos nach Griechenland kommen. Zusammen mit Martin begaben sich am frühen Morgen des 29.04.2017 Annika, Clara, Teida und Susi auf eine Reise, die insgesamt zweieinhalb Tage dauern sollte.

An dieser Stelle gibt es ein paar Infos zu der zurückgelegten Strecke. Um 9.00 Uhr ging es los: Mit dem Zug nach Prag, danach von Prag nach Budapest. Gegen 19.00 Uhr kamen wir in Budapest an und hatten noch ca. 3 Stunden Zeit, um die Stadt zu erkunden, bevor es um 22.30 Uhr mit dem Nachtzug Richtung Belgrad ging. Ach und während der Passkontrolle kurz nach Mitternacht wurden wir freundlichst auf den abgelaufenen Reisepass von Clara hingewiesen, die aber glücklicherweise auch ihren Ausweis dabei hatte. Aber jeder sollte unserer Ansicht nach mal in einem Schlafabteil gereist sein. Denn spätestens mit dem Ausblick am nächsten Morgen kurz nach Sonnenaufgang hat sich diese Entscheidung mehr als gelohnt. Um 7.00 Uhr ging es dann mit einem Reisebus von Belgrad nach Skopje in Mazedonien, wo wir dann nach ca. 10 Stunden Fahrt angekommen sind. In Skopje haben wir über Nacht in einem sehr liebevoll gestalteten Hostel übernachtet und am Abend die wundervollen Lichtinstallationen auf dem Marktplatz bewundert.

Auch am nächsten Morgen hieß es zeitig aufstehen, denn kurz nach 7.00 Uhr haben wir die Teilnehmenden aus Mazedonien getroffen, um in mehreren Autos von Skopje über die Grenze nach Griechenland zu fahren. Der erste Zwischenstopp war dann in Thessaloniki, wo Martin uns kurzzeitig verlassen hatte, um den Rest unserer Reisegruppe vom Flughafen abzuholen, die per Flieger nach Griechenland kamen.  In der Zeit genossen wir ein Eis in einem wundervollen Café mit einem Blick über die Dächer Thessalonikis direkt zum Meer. Gegen 15.00 Uhr erreichten wir unser Hotel für die folgende Woche. Nachdem alle ihre Zimmer bezogen haben und die ersten nahenden Konflikte aufgrund der Aufteilung in Zimmer nach Herkunftsländern (Ziel war eine Grüppchenbildung zu vermeiden und den interkulturellen Austausch zu stärken) beseitigt waren, wurde zuerst die Gegend etwas erkundet und beim gemeinsamen Abendessen erste Kontakte geknüpft.

Am Dienstag, dem ersten richtigen Tag unseres Austausches, starteten wir nach dem Frühstück mit einigen Kennlernspielen im angrenzenden Park und einer ersten kleineren Gruppenarbeit zu den Themen Wünsche/ Erwartungen/ Ängste zu diesem Austausch in Form eines „Fluss des Lebens“. Im Anschluss daran gab es eine kleine Stadtführung.

In der zweiten Arbeitsphase an diesem Tag bestand die Aufgabe darin, dass jedes Land typische Gewohnheiten, Traditionen und Merkmale den anderen vorstellt.

Als Abschluss kamen wir in unseren „Familien“ zusammen, die uns ab dem ersten Abend stetig begleiten und uns die Möglichkeit zur Kritik und zum Lob über das Programm gaben. Außerdem konnten wir künstlerisch unsere Entwicklung bzw. Veränderungen innerhalb dieser Woche darstellen. Schon im Voraus kann gesagt werden: die „Familien“ waren für uns alle eine positive Erfahrung!

Der nächste Workshop-Tag (Mittwoch) war geprägt durch das Thema Migration. Dafür gingen wir auf die Straße von Larisa und befragten die Anwohner selber, was sie über dieses Thema denken und welchen Bezug sie dazu haben.

Nach der Mittagspause ging es dann um die theoretischen Hintergründe von Migration, die mit der Methode des World-Café thematisiert wurden. Dabei wurde wieder angeregt diskutiert und sich untereinander ausgetauscht. Selbstverständlich größtenteils auf Englisch, damit auch alle mitreden konnten ;) Der Abend wurde dann gemeinsam genutzt und in der warmen Sommernacht verbrachten wir noch gemeinsam einige entspannte und lustige Stunden auf einer Parkfläche.

Ziemlich müde, aber dennoch voll motiviert trafen wir uns am Donnerstagmorgen nach dem Frühstück im Seminarraum. Was die Woche stark kennzeichnete, war die unterschiedliche Auffassung von Pünktlichkeit über die Grenzen Deutschlands hinaus, sodass wir wie immer leicht verspätet begonnen haben. An diesem Tag beschäftigten wir uns tiefer mit Gründen der Migration und der Flucht im Speziellen. Auch hierbei arbeiteten wir wieder in Gruppen und visualisierten unsere Ergebnisse in Form von Plakaten, die wir anschließend der großen Gruppe vorstellten.

Nach dieser Arbeitsphase hatten wir alle die Erkenntnis, dass Migrationsbewegungen vielfältig aussehen können und dass das Lebensumfeld und die Bedingungen im Herkunftsland ein maßgeblicher Faktor für Migration darstellt. Denn durch die Diskussionen wurde immer deutlicher, dass Migration nicht ausschließlich in Folge eines Krieges oder finanzieller Krisen stattfindet, sondern dass auch soziale Gegebenheiten dies stark bedingen.

Im letzten Workshopteil für diesen Tag standen noch ExpertInnen-Gespräche zu den Themen Flucht, Asyl und Flüchtlinge an. Anwesend waren unter anderem drei Mitarbeiterinnen aus einer Flüchtlingsunterkunft, die unsere Fragen rund um den Aufenthalt sowie Rechte und Pflichten von Flüchtlingen beantworteten, aber auch ein Migrant, der über seine Migration sprach und seine Sicht auf dieses Thema wiedergab.

Nach diesem doch recht tiefgründigen und inputreichen Tag kamen wir am Abend alle zu unserer interkulturelle Nacht zusammen, in der die drei teilnehmenden Länder typische Speisen, Getränke und Lieder vorstellten. Außerdem wurden die traditionellen Gesellschaftstänze vorgeführt und allen beigebracht, sodass viel gelacht, getanzt und gesungen wurde. Außerdem gaben einige ihre Gesangskünste zum Besten und übten sich in Ausdruckstanz.

Am darauffolgenden Tag stand der Besuch des Flüchtlingslagers ganz in der Nähe unserer Unterkunft bevor. Auf dem Weg dahin waren wir erstaunt, dass in der Umgebung nichts war außer Berge und weite Felder. Im Lager angekommen waren wir schockiert, dass dieses Lager inmitten eines Kessels aus Bergen und ansonsten nichts war. Zudem kam der Faktor, dass dort nicht ein Baum in der Nähe war und wir uns fragten, wie die Menschen diese Hitze aushalten, wenn es so gut wie keine Schattenplätze gab. In zwei Gruppe aufgeteilt durften wir das Lager besuchen. Mit dabei hatten wir Spielsachen für die Kinder des Lagers, die wir besuchten. Wir überreichten die Bälle, Legosteine, Reifen und Malsachen an die Kinder und diese nahmen die Sachen mit purer Dankbarkeit an und begannen direkt das Spielen. Wir reihten uns zwischen den Kindern ein und spielten entweder mit ihnen oder besuchten die etwas Älteren in der Schule. Der Abschied von den Kleinen fiel allen sichtlich schwer, da diese sich auch sehr an uns gebunden haben und uns nicht wirklich gehen lassen wollten. Dieser Besuch war für die meisten ein Erlebnis, welches sie wahrscheinlich nicht mehr vergessen werden. Die Eindrücke lösten viele Emotionen aus und haben uns sehr nachdenklich gestimmt. Die immer wiederkehrende Frage war „Was kann ich verändern“? Deshalb war der Nachmittag auch ohne weitere Programmpunkte geplant, da alle erst einmal Zeit brauchten, um die Eindrücke zu verarbeiten. Am Nachmittag traf man sich dann aber wieder und ging gemeinsam ins Café oder erkundete die Stadt. Auch beim Abendbrot wurde der Tag und die Erfahrungen noch einmal thematisiert und es war zu spüren, dass dieser Tag einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Am Samstag war eine Premiere: alle standen pünktlich in der Hotellobby und waren bereit den Tag am Meer zu verbringen. Zu Fuß ging es dann Richtung Bahnhof und wir fuhren an den ca. 45 Minuten entfernten Strand von Volos. Für diesen Tag hatten wir zwar keinen Workshop, aber dennoch war das Thema allgegenwärtig und wir bekamen verschiedene Fragen zum Thema Migration.  

Im Anschluss hatten wir Zeit den Strand zu erkunden und den Tag einfach zu genießen. Eine Teilnehmerin musste an diesem Tag allerdings noch eine neue Freundschaft mit einem Seeigel schließen, den sie im Meer kennen gelernt hat. Diese Bekanntschaft ging unter die Haut und begleitete sie dann noch die restlichen Tage bis zur Abfahrt und ermöglichte ihr den Besuch eines griechischen Krankenhauses. Im Hotel angekommen trafen wir uns erneut in unseren Familien und nutzten die Zeit zur Evaluation des Tages.

Am darauffolgenden und letzten gemeinsamen Tag in Griechenland war noch einmal ein Workshop geplant. Die Aufgabe bestand in der Erstellung von Weltkarten, die die Migrationsströme im Bezug auf unsere drei Herkunftsländer verdeutlichen sollten. So hatte jede Gruppe die Aufgabe, sich an einem „Grund“ zur Migration zu orientieren und dann dazu Informationen zu finden, die auf einer Weltkarte dargestellt werden sollten.

Das Highlight war aber eine andere Aufgabe: Da man Komplimente und liebe Worte mit der Zeit leider schnell vergisst, bekamen alle ein weißes Blatt Papier auf den Rücken geklebt und alle schrieben ein paar liebe Worte und die jeweiligen Rücken der Personen. Somit besitzt nun jeder ein Blatt mit Komplimenten, die einen immer wieder ein gutes Gefühl geben.

Doch alles hat einmal ein Ende und so mussten sich alle am Morgen des 8. Mai voneinander verabschieden. Man spürte, wie eng diese Gruppe innerhalb einer Woche zusammengewachsen ist und wie schwer der Abschied gefallen ist. Wir liefen dann zum Bahnhof und fuhren zum Flughafen in Thessaloniki und trafen am Nachmittag in Berlin ein. Von da an trennten sich auch die Wege unserer kleinen Gruppe, die dann die Heimreise nach Dresden, Freiberg, Leipzig und Erfurt antrat. Empfangen wurden wir von kaltem und grauen Wetter, aber die Sonne aus Griechenland hatten wir alle nach wie vor fest in unseren Herzen eingeschlossen.

 

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